Oberwinter und Rolandseck

Rheinland-Pfalz, Kreis Ahrweiler


Textfassung aus "Der romantische Rhein" von Thomas Krämer, © Rhein-Mosel-Verlag
Auf einen Blick: Fachwerkbauten aus mehreren Jahrhunderten. Rolandswerth/Rolandseck: Insel Nonnenwerth mit Kloster, Rolandsbogen, Künstlerbahnhof Rolandseck (Arp-Museum).


Oberwinter versteckt seine Schönheiten vor der Straße. Sichtbar ist der Schutz- und Yachthafen für die Rheinschifffahrt und die Werft.
Sehenswert ist aber viel mehr. Das Haus Wirtz, ehemals Gasthaus zum Anker, aus dem Jahre 1781 mit einer Hochwassermarke von 1784, das schmale Holundergässchen, die »Ahl Pump«, die alte Pumpe von 1780 und das »Zettelmeiersche Haus« von 1673. Die Evangelische Kirche wurde in den Jahren 1721/22 nach Plänen des Baumeisters Adam als schlichter, rechteckiger Saalbau erbaut. Zugänglich war sie durch die Toreinfahrt des Pfarrhauses, es gab ein Gesetz, das evangelischen Gotteshäusern nicht gestattete, direkt an einer Landstraße zu liegen.
Das Alte Rathaus wurde 1841 als Schulgebäude errichtet. Sehenswert auch das Haus Schwanen mit reichem Fachwerk. Die katholische Kirche St. Laurentius wurde 1131 erstmals erwähnt. Erhalten ist der spätgotische Chor mit seinem Sterngewölbe, das Kirchenschiff wurde nach Plänen des Architekten Statz 1865/66 angebaut. Ein weiteres, bedeutendes Fachwerkhaus ist die »Fritzeburg« aus dem 17. Jahrhundert. Lohnende Spaziergänge, beispielsweise über den Leinpfad nach Remagen (45 Min.), oder über den Rheinhöhenweg (2 Std.) sowie rund um den Birgeler Kopf (1 Std.) mit schönem Ausblick, sind möglich.
Im Stadtteil Rolandswerth befinden sich der viel besuchte Rolandsbogen und die Kloster-insel Nonnenwerth. Rolandswerth, gelegen an der römischen Heerstraße zwischen den Garnisonen Bonn und Remagen, ermunterte wohl schon römische Veteranen zur Ansiedelung Mit dem Bau der Burg Rolandseck siedelten sich Handwerker, Bauern, Fischer, Winzer und Schiffer an. Die Eisenbahn kam 1856, und mit ihr kamen Kaufleute und Fabrikanten, die hier ihren Zweitwohnsitz errichteten und ihrerseits ihr Personal mit brachten. So gelangten auch die ersten Touristen hierher.
Der viel gerühmte Rolandsbogen ist eigentlich nur ein Fenster, Überrest der alten Burg Rolandseck, erbaut unter Erzbischof Friedrich I. von Köln um 1122. Sie wurde erstürmt und zerstört, nur der Bogen blieb erhalten. Die Sage will es romantischer: Ritter Roland habe die Burg für seine Braut Hildegund erbaut, die Tochter des Ritters vom Drachenfels. Roland zog in den Krieg und Hildegund erfuhr von seinem angeblichen Tod. Sie ging ins Kloster auf der Rheininsel Nonnenwerth, und als der durchaus lebendige Roland heimkehrte, blickte er jeden Tag aus seinem Bogenfenster zum Kloster hinab.
Nun ja, wie dem auch sei, am 28. De-zember 1839 stürzte der Rolandsbogen ein. Ferdinand Freiligrath rief, ganz Rheinromantiker, zu Spenden auf. Der Bogen konnte wieder aufgebaut werden. Dem Dichter brachte diese Tat ein Denkmal ein, beim Aufstieg vom Parkplatz gegenüber der Insel Nonnenwerth neben dem Fußweg zu sehen. Heute befindet sich hier ein beliebtes Restaurant und ein Ausflugslokal mit schöner Terrasse. Von hier führt auch ein Wanderweg zum ehemaligen Vulkan Rodderberg, der im gleichnamigen Naturschutzgebiet liegt, von dort aus bietet sich eine schöne Aussicht über das Rheintal und die Godesburg bis nach Bonn.
Auf der Insel Nonnenwerth wurde 1126 von Erzbischof Friedrich das heutige Franziskanerinnen-Kloster gegründet. Nach einem Brand wurde das Gebäude 1773–75 neu errichtet. Es beherbergt heute ein privates Gymnasium.
Ebenfalls berühmt ist der Bahnhof Rolandseck. Der klassizistische Bahnhof aus dem Jahre 1856 war Endpunkt einer Privatbahn, sein Festsaal war schon damals Treffpunkt der Gesellschaft. Johannes Wasmuth rettete ihn 1964 vor dem Abriss und schuf einen Ort für Musiker, Maler und Dichter. Er ist Heimat der Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp. Nach seiner Renovierung wird der Bahnhof durch eine Verbindung unter den Bahngleisen hindurch mit dem von Richard Meier entworfenen Museumsneubau auf den Rheinhöhen zusammenwachsen zum Arp-Museum. Schon jetzt wird hier neben den Werken Arps internationale Gegenwartskunst präsentiert.
Telefon 02228/94250
Fax 02228/942524
E-Mail:info@arpmuseum.de
Homepage: www.arpmuseum.de


Geöffnet ist täglich außer montags 10–17 Uhr und zu Konzertterminen.
Interessant ist auch der Wildpark Rolandseck mit seinen großen Freigehegen (Rotwild, Muffelwild, Damwild, Ziegen u. a.). Rundwege führen durch den Wald und an den Gehegen vorbei und bieten gleichzeitig ein herrliches Rheinpanorama.