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Auch Sinzig hat Schätze zu bieten. Die »Barbarossastadt« im Grünen umfasst die Ortsteile Bad Bodendorf, Franken, Koisdorf, Löhndorf und Westum.
Sinzig ist End- bzw. Anfangspunkt der »Grünen Straße durch Eifel und Ardennen«. Keltischen Ursprungs, war »Sentiacum« dann römische Niederlassung, später fränkischer Königshof und schließlich kaiserliche Pfalz. Sinzig liegt durch seine Nähe zur Rhein-Ahr-Mündung verkehrstechnisch günstig. Hier führte die Frankfurt-Aachener Straße entlang, die von den Herrschern auf ihrem Weg zur Krönung in Aachen benutzt wurde. Unter Karl IV. kam Sinzig zum Herzogtum Kleve-Jülich. Reste der alten Stadtbefestigung von 1297 sind heute noch erhalten.
Das Schloss steht auf den Grundmauern der ehemaligen Kleve-Jülichschen Burg. 1337 erhielt Wilhelm von Jülich von Kaiser Ludwig dem Bayern die Erlaubnis zum Bau einer Burg. Diese wurde 1569 durch Maximilian Pasqualini erheblich ausgebaut und während des Dreißigjährigen Krieges verstärkt. Im Jahre 1668 wurden Stadt und Schloss von den Franzosen besetzt, die es bei ihrem Abzug 1689 zerstörten. Im März des Jahres 1806 wurde das Grundstück mit den Ruinen des Schlosses und dem angrenzenden Ackerland von der französischen Domänenverwaltung verkauft. 1850 dann erwarb der Kölner Kaufmann Gustav Bunge das Grundstück und ließ ab 1854 von Vinzenz Statz eine burgartige, neugotische Villa errichten. Bunges Schwager Karl Andreae sorgte für die Wandgemälde. Der umgebende Park stammt von Lenné. Heute wird das Anwesen als Heimatmuseum und Stadthaus genutzt. Zu sehen gibt es Objekte aus der Vor- und Frühgeschichte, der Römer- und der Frankenzeit, Ansichten Sinzigs aus dem 19. Jahrhundert und Zeichnungen und Gemälde der Düsseldorfer Malerschule. Das Turmzimmer dient als standesamtliches Trauzimmer.
Die hochliegende, spätromanische Kirche St. Peter ist ein Juwel, das alleine schon die weiteste Anreise wert wäre. Um 1220 begonnen, wurde der Hauptaltar 1241 geweiht. Der fein gegliederte Chor, die Fresken aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, die die Restaurierungen des 19. Jahrhunderts überlebt haben und der 1964 wieder entdeckte Hauptaltar sind herrliche Beispiele der ursprünglichen Ausstattung. Der Altartriptychon stammt aus dem Jahre 1480, die typisch rheinische Madonna mit Kind aus der Zeit um 1340 und der Schmerzensmann vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist auch das Heilige Grab im Innenhof der Sakristei. Sonderbarster Teil der Ausstattung aber ist sicher die gut erhaltene Mumie des »Heiligen Vogt«, vielleicht der Leichnam des Wilhelm von Holbach, fürstlich-jülichscher Vogt in Sinzig. Ein weiteres Kleinod ist der Zehnthof. Er steht auf den Resten einer römischen Anlage und wurde 762 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es ist nicht zu glauben, aber in den 1970er Jahren sollte das Ensemble abgerissen werden, konnte aber durch private Initiative gerettet und komplett restauriert werden. Es besteht aus dem Barockhaus von 1697 mit dem ältesten Wein- und Bierkeller der Rhein-/Ahrregion, der klassizistische Orangerie, 18601864 erbaut von F. A. Stüler, einer Gartenanlage von Lenné, der Zehntscheune von 1765, darin ein 1870 nach dem Speisesaal von Schloss Erdmannsdorf in Schlesien gestalteter Saal, der Parkvilla, 18701872 nach dem Vorbild von Schloss Stolzenfels neugotisch gestaltet und einem herrlichen Innenhof mit Fachwerkgalerie und Türmchen. Wohl das ungewöhnlichste Ensemble von Gebäuden, das man sich denken kann.
Man sollte von hier aus das Ahrtal erkunden. Es locken schöne Orte, Wanderwege, das mondäne Bad Neuenahr und das historisch interessante Ahrweiler mit seiner gut erhaltenen Stadtmauer liegen gleich um die Ecke. Und wem das noch nicht genügt: der rote Ahrwein ist ein unschlagbares Argument.
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